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Der Vortrag würde nachgeholt, da die Dozentin erkrankt war, aber die Wanderung würde stattfinden. Und das war ja schon die Hälfte der Veranstaltung „Fledermäuse, Jäger der Nacht“.

Gespannt kamen Lady Vega Huisa, unsere Freiwillige aus Bolivien und ich, Sylvia Wiedemann vom Internationalen Haus Sonnenberg, auf den letzten Drücker zum Treffpunkt. Und gleich schon ging es los: Steil voran an der Grube Samson vorbei, hoch in den Kurpark. Die Fledermausdetektoren von Viktoria Dietrich, den Freiwilligen Pia Dammköhler, Peter Hinrichs und Oliver Kox waren bereits in Betrieb. Wir hörten sie deshalb bereits, bevor wir sie sahen.

Denn Fledermäuse senden bestimmte, rhythmische Frequenzen im Bass aus, wenn sie fliegen. Nehmen sie Nahrung auf, hört es sich eher an, als ob eine Glaskugel fallen gelassen wird, dann eine kurze Pause macht und dann weiterrollt.

Das war echt spannend und toll, dass wir dabei sein konnten!

Hier im abwechslungsreichen Habitat Harz fühlen sie sich wohl, denn es gibt viel Totholz, durch den ehemaligen Bergbau offene Stollen und überall Wasserstellen, Hügel und Bäume, die noch belaubt sind. Dort gibt es genügend Nahrung für sie.

Insgesamt gibt es im Harz 16 verschiedene Fledermausarten. Im Kurpark von St. Andreasberg, am Teich, hofften wir, drei verschiedene Arten zu sehen: die Wasserfledermaus, die Breitflügelfledermaus und die Zwergfledermaus. Letztere war aktiv und zeigte sich uns. Wir konnten ihre Flüge, auch oft ganz nah über unseren Köpfen, somit bewundern. Wir, das war eine Gruppe von ca. 15 Interessierten, die an der abendlichen Veranstaltung teilnahmen.

Die anderen beiden Arten hatten sich rar gemacht und trotz aller Änderungen unseres Standortes wollten sie sich einfach nicht zeigen. Na klar, das ist ihr gutes Recht!

Warum fasziniert uns die Fledermaus so sehr? Sie weist mehrere Besonderheiten auf:
· Sie ist das einzige Säugetier, das aktiv fliegen kann. Dazu nutzt sie ihre Finger, im Gegensatz zu den Vögeln, die mit den Armen fliegen.
· Sie ist nachtaktiv.
· Sie orientiert sich per Echolot, um z. B. Hindernisse und ihre Beute aufzuspüren.
· Sie passt in allerkleinste Lücken, auch hinter losen Brettern ist sie schon gesichtet oder per Detektor gehört worden.
· Jede Fledermausart hat ihre eigene Frequenz, auf der sie sendet.

Doch was war das? Ein glühender Punkt mitten unter den Bäumen? Konnte das ein Glühwürmchen sein? Tatsächlich! Ein Einzelnes, das bald von einem zweiten begleitet wurde. Geschichten kannte ich darüber, habe sie auch im Fernsehen gesehen, doch bisher niemals in der Natur. Und dann hier! So schön! Und es kamen weitere dazu.
Wir, das Internationale Haus Sonnenberg, bieten unseren Jugendgruppen und auch interessierten Erwachsenen aus unseren Tagungen in Kooperation mit unserem Nationalparkpartner diese Fledermaus- und auch andere Wanderungen an.

Im Übrigen kann jede*r Einzelne auch etwas für die geschützte Fledermaus tun: Das Nationalparkhaus verkauft Fledermaus-Nistkästen.
Ein wundervoller Abendspaziergang ging zu Ende und mit vollgetanktem Fledermauswissen fuhren wir heim, waren wieder ein Stückchen unserer unmittelbaren Umgebung nähergekommen und im Wissen gestärkt: Die Natur, die uns umgibt, ist einzigartig. Lasst sie uns bewahren!

Juli 2022, Sylvia Wiedemann